Elisabeth Schönherr Schreibt. Liest. Oft unterwegs. Am liebsten daheim.
Schreibt. Liest. Oft unterwegs. Am liebsten daheim.

Schöne Nutzlosigkeit

Ein Weihnachtsmann in rotem Mantel mit Plüschkragen und Rauschebart. Ein schmaler Engel in cremefarbenem Kleidchen mit Blumenmuster und goldgelben Ärmeln: die Weihnachtsdekoration, die du erst heute wegräumst, weil dir der Anblick guttut. Du hast die Figuren in roten und goldfarbenen Lametta gelegt. Die Box, in der du alles verstaust, hast du in einem Buchladen gekauft, weil sie groß und stabil ist und dir das Graublau mit den hellgrauen Pünktchen gefällt. Darin Beerenrot, Tannengrün, Silber: das Flittergold hattest du an den Festtagen über Wandbilder drapiert. Den Klebestreifen, mit dem sie befestigt waren, von den Fransen ziehen. Einige reißen. Neujahrsvorsatz. Du willst achtsamer sein. Die Unart, dass Dinge so rasch kaputtgehen und dann einfach im Müll verschwinden, nicht mehr hinnehmen. Was macht das Leben schön? Scheinbar nutzlose Dinge gehören in jedem Fall dazu. Frische Gewürze beim Kochen verwenden, auch wenn sie teuer sind und es aufwendig ist, sie zu besorgen. Morgens Yoga machen, auch wenn ich eigentlich keine Zeit habe. Ins Theater gehen. So wie heute. Ins Museum gehen, was ich leider viel zu selten mache. Freunden, von denen ich seit Langem nichts gehört habe, eine E-Mail schreiben und fragen: Wie geht es dir? Wie ist dein Leben? Farben, Formen, die das Auge erfreuen. Ein weiterer Vorsatz fürs neue Jahr. Mich im Fasching mindestens ein Mal verkleiden, obwohl ich das eigentlich gar nicht mag. Und vor allem: mehr lesen und weniger streamen. Öfter in die Bücherei gehen und die entliehenen Bücher bald wieder zurückbringen, damit auch andere sie lesen können.