Der Texter als ein Ein-Euro-Job

Der Texter als ein Ein-Euro-Job

Content is King, heißt seit einigen Jahren die Devise im Netz. Grund dafür sind Suchmaschinen, die contentbasierten Websites und Blogs größeren Stellenwert einräumen als Seiten mit geringem Textanteil. Firmen, die im Online-Marketing aktiv sind, brauchen deshalb Online-Texter. Im besten Fall sind das Menschen, die die Branchen, über die sie schreiben, und deren Produkte gut kennen. Es sind Menschen, die ausgezeichnet schreiben, und denen die Ideen für originelle Texte auch nach dem hundertsten Beitrag über eine bestimmte Kosmetikmarke oder ein einmaliges Haarstyle-Produkt nicht ausgehen.

Klingt zynisch? Ist aber längst Realität. Das Netz giert nach immer neuem Content, der am besten nichts oder fast nichts kostet. So sind in den vergangenen Jahren Online-Plattformen wie textbrocker oder content.de entstanden, in denen Blogger, Agenturen und Unternehmen billigen Content einkaufen können. Ein Text von 400 Wörtern in mittlerer Qualität (vier Sterne) kostet bei content.de beispielsweise um die 9 € (netto). Der Texter bekommt zwischen 1,3 und 1,5 Cent pro Wort. Bei einem 400 Wörter langen Text sind das zwischen vier und sechs Euro. Geht man davon aus, dass selbst ein geübter Texter für einen Text mit 400 Wörtern, für den eventuell sogar Recherchen notwendig sind, ein bis zwei Stunden benötigt, so kommt der Texter auf einen Stundenlohn von zwei bis drei Euro, den er, wenn er davon leben will, versteuern muss und für den er Sozialabgaben leisten muss.

Texter als Ein-Euro-Job

Der Texter wird so zur Ich-AG, sein Verdienst entspricht de facto dem eines Ein-Euro-Jobs. Die Frage, die sich spätestens jetzt stellt: Ist es im Sinne der Suchmaschinenbetreiber, wenn SEO-optimierte Texthalden das Netz überfluten? Natürlich können auf diese Weise Zugriffe generiert werden, die User klicken aber auch rasch wieder weg, wenn die Inhalte nicht die gewünschten Informationen oder den gewünschten Unterhaltungswert liefern.

Unique content versus duplicate content

Unique content gilt als wichtiges Schlagwort im Online-Marketing. Es bedeutet, dass Texte nicht kopiert werden, sondern dass jeder Text nur unter einer URL  abrufbar ist. Duplicate content entsteht aber nicht nur, wenn identische Texte über unterschiedliche URLs verfügbar sind. Duplicate Content kann auch bedeuten, dass bestehende Texte in leicht veränderter Form wiedergegeben werden.

Qualität statt Quantität als wünschenswerter Trend

So bleibt zu hoffen, dass die Betreiber von kommerziellen Internetseiten bald begreifen, dass der Leitspruch content is king vor allem unique content is king bedeutet. Unique content kostet aber Zeit und damit auch Geld, weshalb die Unternehmen wieder dazu übergehen sollten, in weniger, dafür hochwertige Texte zu investieren.